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5F_FF
- II (Hands)
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Wenn
wir uns schon in EDV-Symbolik bewegen, kann ich auch gleich repeat
sagen. Auch die zweite CD von 5F_FF glänzt durch eigenwillige Gestaltung,
sowie dem Hands eigenen Bork-Pack. Man begnügt sich weiter mit
Hex-Codes als Titel. Leider fehlt einmal mehr ein echter Spannungsbogen
in dieser Sammlung von rhythmischen Industrialstücken. Die angezerrte
Bassdrum ist stilgebendes Element der Songs und treibt diese erbarmungslos
durch die Minuten. In den Höhen schwirren schnelle Klicks, Knacksen
und metallische Sounds herum, können aber nicht wirklich differenziet
werden. Einzige der erste und der letzte Track gehen ein wenig in Richtung
Dark Ambient. Der Rest ist an sich gut gemachter Industrial, der hin
und wieder für einen Augenblick DrumnBass Elemente
durchflickern lässt. Im ganzen ist meiner Meinung nach zu wenig
Abwechslung vorhanden, Puristen mögen das anders sehen.
(MST) 10 Punkte
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AGHAST
VIEW - Phaseknox (Accession/EFA)
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Wer
sich einen stärker an Melodie orientierten Cleaner, der auch Trance-Einflüsse
nicht scheut, vorstellen kann , der weiß, wie sich die Brasilianer
AGHAST VIEW ungefähr anhören. Auch als ein zurückhaltenderer
Vetter von Numb ließe sich das Klangbild auf ihrem dritten Album
Phaseknox denken. Ein Hauch von Dark Electro/Techno vervollständigt
den guten Eindruck. Ein Opium of Lust dürfte dieses
Werk aus dem fünftgößten Flächenland der Erde zumindest
eine Zeit lang sein. Was findet sich da nicht alles Schönes. Um
nur einiges zu nennen: das geradezu verträumte Instrumental Sliders,
das reizend quietschig-brummige Reason Hidden oder Hollowcore,
ein ordentlicher Ausklang des letzten Drittels, das sich eher an melodiösem
EBM orientiert. AGHAST VIEW beweisen über 68 Minuten ihr Können,
ohne dauernd abkupfern zu müssen. Das ist heute leider
nicht mehr alltäglich. homepage
(RH) 10 Punkte |
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AROVANE
- Minth/ Neel (City
Center Offices)
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In
the spring of 1999, a 7" record by arovane appeared in the shops.
it was the first release on a new label both from manchester and berlin.
since then, city centre offices has released another 11 7"s by
respected artists as fizzarum, snd, static, the remote viewer etc. with
this new 7" you hold in your hands, again by arovane, cco closes
the 7" file for the time being. minth & neel are two wonderful,
new tracks, exclusively recorded for this 7", exploring another
yet unknown aspects of arovane's work. minth sounds like a rhythmic
hommage to brian eno's thursday afternoon, while neel puts the world
on hold and listens to a little piano. arovane was never more playful
and careful. a new album for city centre offices is scheduled for early
2004. city centre offices will continue the idea of the 7" series
with a run of 12"s, the first one will appear very soon. |
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ATIV
- Rotation (Hands)
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Mit
dieser 12 ist Hands der Sprung in die Zukunft gelungen. Litt die
Musikrichtung Industrial in den letzten Monaten doch immer mehr unter
der starken Konkurrenz durch den Musikstil Electro, gelingt nun immer
mehr Künstlern eine musikalische Metamorphose weg von statisch krachenden
Beats hin zu flexibleren Klanggerüsten. ATIV sind bei Hands die ersten,
die diesen Trend erkennbar machen. Die fünf Tracks sind für
ein Industrial-Release ungewöhnlich vielseitig. Electrolastige Tracks
gehen mit klassisch angehauchten Stücken eine beeindruckende Fusion
ein und machen Rotation zu einem der herausragenden Erscheinungen
des Dortmunder Labels in den letzten Monaten. Respekt! (SK)
10 Punkte
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BOARDS
OF CANADA - Twoism (Warp/Zomba)
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Das
legendäre englische Label Warp hat endlich das mittlerweile vergriffene
Debüt-Album der Ausnahmeformation BOARDS OF CANADA neu veröffentlicht.
Ursprünglich 1995 auf ihrem eigenen Label Music 70 veröffentlicht,
stellte Twoism einen Meilenstein der damals noch jungen Musikrichtung
IDM dar. Die gut strukturierten, atmosphärischen downtempo Tracks
der Mini-LP überzeugen sowohl als einzelne Stücke wie auch als
Gesamtkonzept. Die durchgehend ruhige Atmosphäre des Albums, die
trippigen Beats und ab und an schrägen Melodien zeigten schon früh
die Klasse des Duos auf, das es mittlerweile weltweit zu Ruhm und Ehre
gebracht hat. Radiohead schwören auf BOARDS OF CANADA. Ich auch.
(SK) 13 Punkte
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CHRIS
CLARK - Empty the bones of you
(Warp)
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Es
gibt Personen, denen schon Neid gebührt. Chris Clark zum Beispiel,
vielen bekannt als Nachwuchstalent der Musikschmiede WARP, hat sein
Studium beendet und gleichzeitig die Songs für sein neues Album
EMPTY THE BONES OF YOU fertiggestellt, quasi nebenher. Und trotzdem
ist dieser zweite Longplayer des Briten ausgereift wie keiner seiner
Vorgänger. |
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CORDELL
KLIER - Apparitions (Ad
Noiseam/A-Music)
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Seit
gut zwei Jahren wird das Genre Experimental/Intelligent Dance Music (IDM)
als der Hoffnungsträger der ansonsten stagnierenden Elektronik-Szene
propagiert. Neben medienverwöhnten und Apple-gesponserten Laptop-Ikonen
wie Kid 606 hat uns dieser Hype eine Vielzahl teils guter, teils rabenschlechter
Veröffentlichungen beschert. CORDELL KLIERS neueste Veröffentlichung
gehört definitiv zur Gruppe der guten Releases. "Apparitions"
(deutsch: Erscheinungen) liefert auf 13 Tracks einen Gegenentwurf zum
klassischen Easy Listening. Minimal arrangiert und akribisch produziert
suchen die Tracks den direkten Weg ins Unterbewusstsein des Hörers.
Die Glitches, kurze, verfremdete Sample-Fragmente, wirken wie Lichtreflexe
auf einer unruhigen Oberfläche: intensiv, kurzlebig, unberechenbar
blitzen sie kurz auf und verschwinden wieder im Fundament dunkler Drones.
Sie erinnern an aufflackernde Symbole auf einem ansonsten dunklen Bildschirm
und suchen die Assoziation anstatt der Aussage. Durch diesen unsteten,
flüchtigen Sound wird "Apparitions" seinem "geisterhaften"
Titel durchaus gerecht.
Die Leistung CORDELL KLIERS bei diesem Release liegt in der Durchgängigkeit der Tracks. Obwohl in der Grundsubstanz sehr ähnlich, wird der Anspruch und die Spannung über die ganze Albumlänge gehalten. Selbst nach Track Nr. 12 fragt man sich, was das nächste Stück bringen mag eine Eigenschaft, welche die CD deutlich vom Veröffentlichungsallerlei im diesem Bereich abhebt. (FS) 13 Punkte |
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DIORAMA
- The Art Of Creating Confusing Spirits (Accession/EFA)
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Beinahe
hätte ich gesagt, DIORAMA sind nicht wiederzuerkennen. Anscheinend
zum Trio angewachsen (das legt jedenfalls das Foto im Booklet nahe), lässt
der Guckkasten unerwartete Töne vernehmen. Eine peppig programmierte
Basslinie und ein eingängiger Beat Velocity verrät
schon, wohin sich die Sache auf dem so wichtigen dritten Werk entwickelt.
Tanzbarkeit wird hochgeschrieben, modernes Elektronikgeschepper hat die
melancholischen Klavierarrangements des Erstlings abgelöst. Klarheit
lärmt für DIORAMA-Verhältnisse sogar ganz schön vor
sich hin. Fans des Erstlings werden alte Spuren in Kiss Of Knowledge,
Brainwashed und The Convenience Of Being Absent
ausmachen. Einzige markante Konstante in der Entwicklung DIORAMAs ist
Torbens Gesang. Ich bin mir noch unschlüssig, ob die Veränderung
des Sounds auch durchweg eine Verbesserung ist. Neue Käuferschichten
erschließt sie sicher. www.diorama-music.com (RH)
9 Punkte
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DJ
HELL - Electrobody Housemusic (International
Deejay Gigolos)
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Das
Münchener Label International Deejay Gigolos gehörte in den
letzten Jahren dank seiner ausgeprägten Marketingstrategie und einigen
erfolgreichen CDs zu den bekanntesten im Bereich Electro. Geleitet wird
das Label von dem Bayern Helmut Geier, vielen bekannt unter seinem Künstlernamen
DJ HELL. 1997 gründete er Gigolo in der deutschen Schickeria-Hauptstadt.
In nur wenigen Jahren gelang es ihm mit einer bemerkenswerten Strategie,
das Electro-Label mit den Muskelmännern als eins der wichtigsten
in Deutschland zu etablieren. Dabei ist sein Rezept zum Erfolg recht einfach:
Hell erfindet das Rad stetig neu, packt alte Ideen in futuristisches Gewand,
etikettiert Althergebrachtes neu und verkauft dies erfolgreich. So wird
auch auf der neuen Doppel-CD aus Electronic Body Music (EBM) electrobody-housemusic.
Toll! Diese neue Musikspartenbezeichnung lässt Hell auch gleich auf
das CD-Cover drucken, direkt unter sein hochstilisiertes Portrait. Dazu
noch ein netter Text, in dem verklärend postuliert wird, dass Hell
einer der Überväter der Electro-Bewegung ist, und fertig ist
das neue Produkt.
Der Sampler an sich ist klassischer Gigolo-Durchschnitt, nach zwei Songs ist das Muster erkannt: Dieses mal werden die 130 bpm stiller gehalten und die Melodien schriller gedreht, in ständiger Wiederholung. So wie es Daft Punk vormachte. Weitere musikalische Höhepunkte fallen weg, die Fast Forward- oder Skip-Taste wird immer häufiger betätigt. Auch die zweite CD, der Musikrichtung EBM gewidmet, die DJ HELL, so das Booklet, seinerzeit mit berühmt gemacht hat (eine durchweg witzige Vorstellung ... das werden wohl so einige Deejays von sich behaupten), ist eher Durchschnitt. Der Mix aus altbekanntem Tracks (Headhunter, Join In The Chant) wird ergänzt mit modernen Nachahmern (Fixmer, Caretta) und langweilt auch zu schnell... Die klobigen Beats, die auf den ursprünglichen Releases durch ihre kalte Rohheit mitrissen, wirken überdreht und kraftlos. Nothing new from the munich front. (SK) 4 Punkte |
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FAD
GADGET- Collapsing New People 2003 (Mute)
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Blasphemie,
ganz klar. Könnte man denken. Jetzt, wo Frank Tovey tot ist und "Herr
Lehmann" verfilmt wird, interpretiert man den definitven Monsterhit
von Fad Gadget als Berlin-typsichen Track und re-releast. Westbam remixt
einen Track, bei dem es eigentlich nichts zu remixen gibt. Das weiß
auch Westbam, der das Stück dann in seiner Struktur erhält und
eher auf die Industrial-Sounds von den Neubauten fokusiert (damals mit
Tovey im Berliner Hansa-Studio zu Gange), fügt eine Bassdrum hinzu
und kriegt die Kurve. Glück gehabt. Auf der B-Seite remixt John Aquaviva
das ebenso legendäre "Lady Shave", arrangiert alles ein
bisschen tighter und moderner, achtet aber genauso auf die eigentliche
Songstruktur und so geht das eigentlich auch total ok, auch wenn beide
Originale einfach immer noch unerreicht sind. Glück gehabt!
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GORAN
BESOV - Elements (Mhz)
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Auch
schon eine Ecke älter ist diese Megahertz-Veröffentlichung.
Im Vergleich zu den Label-Hausmeistern von Klangstabil wird hier geradezu
einfach zu hörende Musik gemacht. Klare Strukturen, keine allzu fiesen
Sounds (aber ein paar Nettigkeiten hat GORAN BESOV schon auf Lager), eine
gewisse Eingängigkeit weit entfernt von jeglicher Anbiederung an
Techno. Elements entbehrt nicht einer gewissen Schwere, die
schon von Beginn in ihren Bann zu ziehen weiß. Auf der B-Seite werden
wir geärgert: vorgetäuschtes Hängen der Platte, Rhythm
n Noise und abgefahrene Kerker-Klänge in Nylon
Request. Das ist das Schöne an dieser Musik: Man kann sich
nie sicher sein, ob das nun gewollt ist oder die Nadel zu lange verweilt.
Dieser Klang zwischen bearbeitetem Elefantentrompeten und schrägen
60er-Jahre-Soundtracks verzückt mich einfach nur. The Source
Occupation: langsam, tief wummernd. Auf der C-Seite entwickelt sich
Prefer ähnlich schon aus nervigen Grundnoises und einem
Beat. Silent Perversion und Detension sind chillig,
irgendwo zwischen kühler Beklemmung und heimeliger Vertraulichkeit.
Mit Media Termination klingt die Seite aus, deren ambiente
Prägung lobend hervorgehoben sei. Psychophonic Consumption
startet die D-Seite wieder noisiger. Escape From Necropolis
hat echtes Industrial-Flair: metallische Klänge, verzerrte Geräusche
und experimentelles Arrangement. Daumen hoch! (RH) 12 Punkte
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HERRMANN
UND KLEINE - Kickboard Girl EP (morr)
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Herrmann
und Kleine - Kickboard Girl EP (MorrMusic/007) Nicht nur weil Thaddi Herrmann
jederzeit um die Ecke kommen und mir auf die Finger hauen könnte,
ist diese Platte grossartig, nein, Herr Kleine, sie klingt auch, ganz
objektiv, nahezu gottgleich und endlos gelassen. So. "Kickboard Girl"
plinkert mit einer heimeligen Weihnachtsmelodie, sehr salopper 80er Electro
Bassline und einem von der letzten Herrmann und Kleine EP weiter entwickelten
Break, auf ein Plateaux von dem aus es mit einem hymnisch verklärten
Blick die Welt überblickt, und die Welt war gut. So jedenfalls das
Kickboard Girl hier unfreiwillig zitiert. Klassiker. Im "Take Care
On The Corner" Mix versuchen sie, ähnlich wie bei Keksen, die
unten Schokolade haben, und oben eher kräuseliges, die andere Seite
der Geschichte in mehr Ruhe und strömender Klangbearbeitung zu betrachten,
und siehe da, Erinnerungen sind linear, jedenfalls wenn sie eine Geschichte
erzählen. "May in Fall" ist ein Amentrack, ja, Amentrack,
mit Downtempobreaks, zerhackten Beats, und einer kitschig gut gelaunten
Melodie drüber, die unbekümmert ob solcher Wiedersprüche
und Ungestüme ihren Weg durch dezente wohlstrukturierte Erdbeben
findet, ohne davon gross betroffen zu wirken. Auf der B-Seite, der wir
uns jetzt zuwenden geht es mit "My Friend Sam" los, durch den
Frühling, der immer zu sein scheint, wenn man ihn ruft, effektverliebt
gebeugt und gebogen werden kann, wie überhaupt alles auf dieser Platte
holistische Perspektiven nahelegt, auf "Sitting next to you"
wird es fast psychedelisch rhythmisch, so als wäre das nebeneinandersitzen
so etwas wie eine 60er Jahre Grundposition, und die Sitzkissen ein reines
Füllsel, und wir hören hier mal einfach so auf, es ist eine
Platte die vor lauter Bezauberung sich am liebsten sogar zweimal hätte.
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KLANGSTABIL
- Kantorka (Pflichtkauf)
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Ende
letzten Jahres präsentierten wir die Klangkünstler mit Kantorka
und ihr neustes Werk. Im Gegensatz zu den früheren Alben Giocco
Bambino und Straftat gegen das Leben ist die E.P. Kantorka
durchwegs eingängig, wirkt sogar streckenweise ruhig. Teilweise lassen
Boris und Maurizio Elemente einfließen, die an die großen
AUTECHRE erinnern, aber verlieren nie die durchgehende winterliche Grundstimmung.
Zu bemängeln ist allerdings die musikalische Einfachheit der Stücke,
die beim zweiten oder dritten Hören einen Hauch von Langeweile aufkommen
lassen, was bei Klangstabil eigentlich unüblich ist. Bei den vorhergehenden
Alben hat man höchstens Hörpausen benötigt. Im Gesamtwerk
Klangstabil´s scheint mir Kantorka als Album herauszustechen, dass
sich thematisch mit der Liebe befasst (verschiedene Samples sollten beachtet
werden!), was ich hier herausstellen möchte. Normalerweise glänzen
Krachformationen doch durch ihre weltentsagenden Performances, und gerade
Klangstabil erinnert mich live immer wieder an Throbbing Gristle...
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LFO
- Sheath (Warp)
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Sieben
lange Jahre haben die WARP - Heroen der ersten Stunde kein eigenes Album
mehr produziert. Statt dessen bewährten sie sich als Produzenten,
halfen bei anderen Projekten aus oder lieferten die Kompositionen zu so
bekannten Alben wie HOMOGENIC von Björk. Den Rummel, den das neue
Album verursacht, ist bei dieser Leistung verständlich, der Inhalt
des Longplayers SEATH wird er allerdings nicht gerecht. Was früher
ein avantgardistisches Duo war, das Diskotheken in der Heimatstadt mit
selbst produzierten Tapes beglückte, welche dann dort zumeist zu
Tanzflächenfüllern wurden, schwimmt heute, zum One-Man-Projekt
geschrumpft, der aktuellen Entwicklung in der Musik hinterher. Einfache
Industrial-Strukturen wechseln sich ab mit zuckersüßen Melodien,
die von Klangteppichen getragen werden, die nach klassischer WARP-Manier
zerstückelt wurden. Ein Album, das den Mythos LFO eher schadet als
fördert. (SK) 8/ 15
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MASAMI
AKITA & RUSSELL HASWELL - Satanstornade (Warp/Zomba)
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Endlich
kann ich dem Legacy auch mal was Satanisches bieten: Steht doch ganz stolz
WarpCD666 auf der Hülle dieses Werkes. Und abgefahrene Klingenwaffen
finden sich auch noch. Also dann: Kaufen, kaufen, kaufen, ihr Freunde
des Bösen? Man sei gewarnt: Gitarren finden sich ebenso wenig wie
Beschwörungen an den Herrn der Finsternis. Eigentlich tut man sich
schwer, irgend etwas auf der CD gut oder böse zu finden. Alle 4 Tracks
bestehen aus fragmentiertem high-speed Noise, der keine Kompromisse kennt.
Da lassen sich harsche japanische Traditionen erahnen, vielleicht noch
vergleichbar mit härterem Zeug aus dem amerikanischen Underground.
Man sollte den Schmerzfaktor nicht unterschätzen. Stücke, die
die 10-Minuten-Grenze weit überschreiten und nur aus Lärmstakkatos
bestehen, sind nur was für Hartgesottene. Man moduliert leicht, reißt
kurz einmal eine Rhythmik an und fällt dann wieder zurück ins
Chaos. Also wahrscheinlich für die meisten Käufer eher ein Stück
mit Coolnes-Faktor als Musik. Für Freunde echten Lärms aber
vielleicht auch eine Offenbarung. Ein Fakt zum Schluss: Es handelt sich
um eine Liveaufnahme von 1999. (MST)
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MONOLAKE
- Momentum (Warp/Zomba)
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Klischee:
Elektromusiker, die sich selbst der Komplexität verschrieben haben
und diese dann noch erschwerend aber beeindruckenderweise gehobene
Klangforschung zu nennen, sind eigenbrötlerische aber intelligente
Personen, die in ihrer Freizeit entweder philosophische Pamphlete oder
Software entwickeln, die vorzugsweise mit Musik zu tun haben. Dieses Klischee
wird, wenn es sich erst mal etabliert hat, gerne von der Fangemeinde übernommen,
die nach der kompletten Übernahme der angeblich vorgegebenen Verhaltensweise
und deren weiteren Verbreitung eine Szene bilden. Magazine wie DE:BUG
werden gegründet, die sich der Weiterverbreitung pseudointellektueller
und schwer lesbarer Artikel und Rezensionen widmen und sich auf die unnötige
Verwendung lustig klingender Fremdwörter bei jeder sich bietender
Gelegenheit spezialisiert haben.
Man könnte meinen, Monolake sei der Ursprung dieses Hypes oder besser gesagt, er verkörpert ihn. Die Musik ist durchwegs intelligent, ihr Schöpfer, Robert Henke ist es auch. Darüber hinaus wohnt dieser in der gehypten Hauptstadt Berlin, die sich in den letzten Jahren zum europäischen Zentrum elektronischer Musik entwickelt hat und den Rest der Republik zu provinziellem vor-sich-hin-siechen verdammt. Und er schreibt Software. Und verdammt gute noch dazu. Und seine Musik, ja, seine Musik ist auch so eine Sache. Hypnotisch, herbstlich durchstrukturiert, in einer düster-melancholischen Stimmung gehalten. Die Stücke überschreiten oft die magische fünf-Minuten Grenze, an der sich oft die Spreu vom Weizen trennt. Hier merkt man es nicht. Man ist gefangen in den Beats, in der Stimmung. Die Verkörperung und Berechtigung jeglichen Hypes. (SK) 15/ 15 |
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ORPHX
- Other Voices (Hands)
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ORPHX
sind mit die Zugpferde des Dortmunder Industrial-Labels Hands Productions.
Nach mehreren Releases erfreut sich der Kanadier einer für einen
Industrial Act beachtlichen Popularität hierzulande. Umso erstaunlicher
seine neuste Platte. Die 5-Track-EP Other Voices lässt
seinen sonst überbrodelnden Innovationsgeist auf ganzer Linie vermissen.
Stiller Ambient, geradlinige Strukturen, düstere Atmosphäre,
Wintermusik. Als Hörer muss man schon ein eingefleischter Fan von
Dark Ambient sein, um diesem neuen Release gewogen zu sein. Auf 500 Exemplare
ist die 12 mit dem üblichen hochqualitativen Artwork limitiert,
ein Sammlerstück also. (SK) 6 Punkte
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PANACEA
& NEEDLE SHARING & TARMVRED - Panacea Shares Needles With Tarmvred
(Ad
Noiseam/Ant-Zen)
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Januar
und schon ein Höhepunkt: erwartungsgemäß demonstriert
dieser Release nicht nur die Klasse der darauf versammelten Produzenten,
sondern auch, daß der in den vergangenen Jahren so intensiv verfolgte
Crossover-Ansatz in der elektronischen Musik noch lange nicht ausgeschöpft
ist. Die Fusion von DrumnBass, Industrial und Noise ist kein
neuer Ansatz, doch mit dieser CD liegt auf jeden Fall eine der besten
Interpretationen dieses stilistischen Bastards vor. Dies liegt nicht zuletzt
an dem außergewöhnlichen Ansatz, die der Kollaboration zugrunde
liegt: jeder Künstler erarbeitet Tracks mit dem Soundmaterial eines
anderen - ein verschriebener kreativer Grenzübertritt mit überzeugenden
und zumal auch überraschenden Resultaten. Überzeugend vor allem
deshalb, weil sich alle Künstler auch auf stilmäßig eher
ungewohntem Terrain bestens zurecht finden, überraschend, weil neben
den zu erwartenden Stilen Drum&Bass, Industrial und Noise mit Elektro,
Techno und Reggae-Fragmenten noch weitere Stile ins Gesamtkonzept integriert
wurden. Die Diversität der Produzenten und des verwendeten Soundmaterials
ist dann auch die Stärke des Albums: vom langsam, verhalten-zahm
groovenden Opener 'Clicks Per Second' von NEEDLE SHARING bis zum noisig-verzerrten
Breakgewitter bei TARMVREDs Abschlußtrack 'Universalmedel' bietet
das Album alles, was man von einer derartigen Kooperation erwartet. Weder
PANACEA, deutsches Producer-Urgestein, noch die Newcomer des Jahres 2001
NEEDLE SHARING und TARMVRED leisten sich auf dem knapp einstündigen
akustischen Kräftemessen irgendwelche Schwächen oder Fehltritte
und machen diesen Release so zu einem Quasi-Pflichtkauf für Fans
ohne Stilscheuklappen. (FS)
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PHILLIPE
CAM - Karine (traum
04)
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Mit
der zweiten Platte des Franzosen erscheint eine weitere Modulations Synthonie.
Lebte ein Manuel Göttsching in den Werken diversester Produzenten
aus Detroit (Carl Craig, Derrick May) weiter, so belebte er ein Genre,
das an seine Grenzen gekommen zu sein schien. Völlig ohne Pathos
und Techno Attitüde erschliesst er sich dieser Welt auf eine gänzlich
natürliche, lässige Art und Weise, verzichtet dabei wie schon
zuvor auf jegliche Bassdrum Rhythmen. Spannende 29 Minuten!
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PLACID
- Skull Ov A Pussy
(Hands)
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Nach
langem warten kommt das Projectro Mirage Nebenprojekt PLACID von dem umtriebigen
Hands-Label auf uns zu. Was heißt auf uns zukommen, es wälzt
sich uns entgegen und über uns hinweg (Engelsschwarz)
und hämmert dabei den halben Schädel weg (Die Ma Darling
Die oder Kosmischer Tankwart). Verantwortlich für
die Zertrümmerung des Skull Ov A Pussy sind Francisco
Planellas und Alicia H. Willen alias Proyecto Mirage. Tatkräftige
Mithilfe kommt von Helmet, dem Dritten im Bunde (fehlleitendes Pseudonym,
da denkt man ja sofort an die geilen Amis um Page Hamilton), der alle
Texte und viel Geschrei beisteuert. Wo wir schon bei den Texten sind:
Die sind leider so lasch gedruckt, das es keinen Spaß macht, diese
vor dem lehmbraunen Hintergrund zu lesen. Postindustrielle Sinnesverwirrung
also auch im Layout. Proyecto Mirage hilft als Referenz hier im Übrigen
wenig weiter, da gerade der raue Stimmeinsatz von Helmet Skull Ov
A Pussy seinen Stempel aufdrückt. Die Maschinen werden eher
zum Zermatschen eingesetzt, erzeugen tiefe und bedrohlichere Klänge,
als man es von den schneidend scharfen Rhythmuskanonaden Planellas und
Willens kennt. So klingt dieses Werk schwerer und ernster im Vergleich
zu den Veröffentlichungen der Spanier, die sonst zum spaßigen
Abfeiern geradezu einladen. Nosebleed und Satani Vomoti
geben der Sache noch stärkeren Drive durch traditionelle Drumrhythmen,
machen die Atmosphäre aber weder fröhlicher noch freundlicher.
Schwere Kost. Und das im Winter. Ach so, vielleicht sorgt die (schon klassisch)
dumpfe, fünfminütige Coverversion des Mussolini
ja für Stimmung. Kontakt: infoplacid@lycos.com (RH)
9 Punkte
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PSYCHO
BITCH - Eden (Noiseland)
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Verkleidet
als Newcomer präsentieren bekannte Industrialmusiker neuen Sound,
ohne bahnbrechend zu werden. Der Bandname Pzycho Bitch und
das Artwork des Debutalbums versprechen dem Hörer ein futuristisches
Musikabenteuer. Und tatsächlich gelingt mit Eden ein
Sountrack zu einem Sience - Fiction - Manga der späten 90er. Die
Mitglieder des Projektes stammen von den Industrialformationen S.I.N.A
und Mono No Aware (beide HANDS), die unter Industrialkennern bereits als
Bands eingestuft werden, die den harten Elektrosound reif für das
kommende Jahrzehnt machen.
Pzycho Bitch präsentieren auf Eden verfeinerten Digital Hardcore mit deutschen und englischen Texten. Wer allerdings mit dem dieser musikalischen Sparte vor allem Atari Teenage Riot verbindet, wird auf dem Debutalbum von Pzycho Bitch die kakophonische Brachialität der Berliner Krachheroen vermissen. Eden ist ein sehr homogenes Album mit dem Hang zur musikalischen Verspieltheit, allerdings ohne nennenswerten musikalischen Höhepunkt. Auf den 13 tracks verfeinern die Krachmusiker ihre Beats, ersetzen brachiale Passagen durch technoide Elemente und geben dem Gesamtwerk dadurch mehr Tanzbarkeit. Sinas verzerrter Sprechgesang ist treibend, aber die versprochene Erotik (ist das Gestöhne auf bitch gemeint?) ist höchstens auf dem Mangacover zu verspüren. Alles in allem ein Album, das für die harte elektronische Musik im Gruftie - Bereich einen erfolgversprechenden Weg aufzeigt. |
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S.I.N.A.
- Back In Stereo (Hands)
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Streicher
aus dem Synthesizer, eine einfache Basslinie, Beats aus dem DrumNBas-Versand
treffen auf das übliche Electro-Gebollere. So geht es in Die
Your Life los: erst witzig, dann aggressiv. Go Home
schlägt annähernd in die gleiche Kerbe, wobei der typische Rezitationsstil
Sinas präsenter ist. Der Remix von Needle Sharing zu Die Your
Life unterlegt Sinas Gesang mit halsbrecherischen Breakbeats. Beinahe
zuviel Unordnung und zu wenig Atmosphäre. Strong Ahead
ist gewohnt rhythmischer Electro-Industrial, dem aber irgendein klares
Ziel fehlt. Die Farben bearbeiten How Long Back In Sun
mit spaßig-ironischem Unterton. Der dritte neue Song Fragile
Woman komplettiert die rein tonale Seite dieser EP. Etwas zum Lachen
gibt es mit dem Videoclip zu Die Your Life ob aus Sympathie
oder Antipathie bleibt Euch überlassen, denn: Pink macht albern!
(RH)
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Smash
TV - Now! ep (bpitch
control)
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Eine
ziemlich sympathische Art mit Retromethoden umzugehen ist die von Smash
TV, denn obwohl sie mit Sprachsamples und albernen Melodien nicht grade
zimperlich umgehen, sitzt das Ganze immer tief und fest im Sattel digitaler
Effekte und Spielerein, die aus Hits erst wirkliche Hits machen. Die ganze
Platte ist ein einziges Gimmick zu dem man aber auch noch tanzen kann.
Mitsingen dürfte auch gehen und wem "I Love You Now" zu
forsch ist, der kann sich in dem knatternden Krabbeln der Sounds von "Taste"
verkriechen, auf "Flashdance" seine Robokünste verfeinern,oder
zu "Crashdown" in die Dubdiskodusche verschwinden.
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SQUAREPUSHER
- Do You Know Squarepusher (Warp/Zomba)
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An
der Etablierung und Popularisierung des Musikstils Intelligent Dance Music
war und ist das Label maßgeblich beteiligt, wenn nicht Speerspitze
dieser Bewegung. Künstler wie Aphex Twin oder Autechre haben hier
ihre Platten veröffentlicht, die anerkannt sind als Meilensteine
der elektronischen Musik. Auch SQUAREPUSHER hat hier seine Heimat gefunden
und legt mit Do You Know Squarepusher ein angenehm verschroben-quietschiges
Doppelalbum vor, wie es erwartet wird. Das neue Studiomaterial hält
sich dabei an die Vorgaben der vorangegangenen Alben: Ein durchgehender
Beat wird möglichst vermieden; die treibende Kraft gewinnen die schnellen
Stücke durch die ungestüme Abfolge zerrissener Beat-Loops, zerhackter
Vocal-Parts und süßer Melodien. Die Musik ist oft zum Hinhören
gedacht, weniger zum Tanzen als vielmehr zum Genießen. Doch es ist
nichts Neues auf der Scheibe. So quer auch die Songstrukturen sein mögen,
sie überraschen nicht mehr, das Aha-Erlebnis erfolgte bereits bei
den Vorgängern. Konstanz ist, wenn man so will, die Stärke dieser
Platte; der Käufer weiß, was er zu erwarten hat, wenn er sich
für Do You Know Squarepusher entscheidet.
Ergänz wird die Scheibe durch einen Livemitschnitt eines Konzertes von SQUAREPUSHER in Japan, dass alle bisherigen Hits des britischen Künstler beinhaltet. Allerdings ist die Qualität der Aufnahme unter aller Sau und vermindert so den vollen Hörgenuss. (SK) 7 Punkte |
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SYNAPSCAPE
- Raw (Hands)
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Rare
und unveröffentlichte Stücke aus den Jahren 1994-2001 präsentieren
die Herren Krieg und Münch auf Raw. Hochverzerrte Frequenzen
zu manipuliertem, gepresstem Geflüster in Disrevield
geben einen minimalistischen Anstrich. Der Stimmeinsatz in Sorrow
könnte auch bei Death-Metal-Fans punkten und den nächsten Godzilla
synchronisieren. Spuren von Dub (in Anti Part) stehen neben
Pfeif-Gewittern (Narcotica), Ameisen-Ambient (3rd In
The Orbit), Tribal-Experimenten wie in Bushhead und
dem witzigen Sprachspiel Cannes, in dem eigentlich nur noch
ein Sample mit Bezug auf das berühmte Festival fehlt. Wie es klingt,
wenn SYNAPSCAPE Electronica produzieren, hört ihr in Disorder.
In Esp zeigen sie sich noch eher an einzelnen Klängen
interessiert; ihre rhythmische Seite ist mit Stop Yield vertreten.
Kommt im schlicht-schönen grauschwarzen Kartoncover. homepage
(RH) 9 Punkte
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TARMVRED
- Subfusc (Ad
Noiseam/Ant-Zen)
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Nach
seiner letztjährigen Demo-EP liefert TARMVRED nun mit "Subfusc"
einen überzeugenden Debut-Longplayer ab. Das Projekt des Schweden
Jonas Johansson zeichnet sich vor allem durch eines aus: seine Vielseitigkeit.
Genau diese macht es auch unmöglich, TARMVRED spontan einem bestimmten
Genre zuzuordnen, denn neben Rhythmic Noise finden sich auf der LP auch
Hard Tek, Drum & Bass und ansatzweise ambiente Einflüsse. Noch
beeindruckender als die versammelte Stilvielfalt ist aber, wie Johansson
die unterschiedlichen Bestandteile vereint. Mühe- und respektlos
verbindet er harte 4/4-Rhythmen mit stompenden Breakbeats, Noise-Sequenzen
und eine Vielzahl verschiedener Samples zu einem überraschend schlüssigen
Ganzen. Ergänzt werden die sechs TARMVRED-Tracks durch eine hart-treibende
Remix-Version von 'Subfusc Part 2', für die Converter verantwortlich
zeichnete. Dieses Album ist zweifellos ein Ausblick auf das, was Rhythmic
Noise in Zukunft sein könnte. Gespannt sein darf man auf jeden Fall
auf Johansson anstehende Zusammenarbeit mit Drum & Bass-Pionier Panacea
und Hands-Artist Needle Sharing, die Split-CD erscheint zum Jahresende
auf dem Berliner Label Ad Noiseam. homepage
(FS) 13 Punkte
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ULVER
- 1193-2003: 1st decade in the machines (Jester)
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Unglaublich!
Eine dieser Bands, die unter der Bezeichnung Dunkelmetaller norwegischer
Prägung feiern die zehn Jahre ihres Bestehens mit einer Compilation,
die tatsächlich ein Highlight darstellt. Namhafte Künstler wie
Bogdan Raczynski oder Jazzkammer haben sich zusammengefunden, um Songs,
in denen früher die E-Gitarre die Hauptrolle spielte, umzuinterpretieren
und aus einem klassischen Best Of ein vollkommen eigenständiges Album
zu machen, das an Eigenständigkeit kaum zu übertreffen ist.
So unterschiedliche Künstler wie UPLAND oder MERZBOW vergreifen sich
an den Songs der Nordländer, jeder auf seine Weise und ohne geringsten
Respekt vor den Originalstrukturen, und zustande kommt eine Best Of, ein
Tribute to Album, das sich tatsächlich sehen lassen kann. Ob es nun
Clicks und Cuts sind, die das Klangbild bestimmen oder wuchtige Bässe,
die an alte Trip Hop Zeiten Bristoler Machart erinnern, das Werk ist in
sich stimmig, kein Stück liegt neben der eingeschlagenen experimentierfreudigen
Linie. Mal angenehm ruhig, mal treffend beatlastig gipfelt die Scheibe
in den den japanischen Krachkakophonien des Japaners Merzbow, und bleibt
trotz der stilistischen Unterschiede zu jedem Zeitpunkt ein in sich stimmiges
Album. Tipp! 13/ 15 sk
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VENETIAN
SNARES - Doll Doll Doll (Hymen)
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Eines
ist Doll Doll Doll bestimmt nicht: linear und schematisch.
Was man von Aaron Funk alias VENETIAN SNARES auch nicht erwartet hätte.
Spannend wird die Mixtur aus Breakbeat und DrumnBass erst
dadurch, daß der Nordamerikaner/Kanadier (?) sich nicht scheut,
Klavier, Apocalyptica-Celli, MC-Gerappe und andere Ungewöhnlichkeiten
in seine Musik zu inkorporieren. Dabei geht er nahezu unberechenbar vor.
Vorhersagbarkeit ausgeschlossen. Nicht so hart wie Needle Sharing oder
Panacea, dafür reicher an Elementen aus externen Kontexten. Befriend
A Childkiller ist so ein Fall: Sci-Fi/Ambient-Klänge werden
aus lichten Höhen in düster umwölkte, erdnahe Sphären
verschoben, eine böse Stimme schaltet sich zu, dann bricht das Breakbeat-Geklopfe
los. Schon ist ein etwas anderer Beitrag zur Szene entstanden. Lohnt sich.
homepage.
(RH) 12 Punkte
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VROMB
- Le Tourne-disque (Ant-Zen)
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Hugo
Girard knüpft mit dieser niedlichen 3 CD bzw. 10 LP an
das Konzeptalbum Episodes an. Rhythmische Klangschichtungen,
zarte Beats und atmosphärisches Hintergrundsrauschen machen die drei
Stücke Le Jouet Électrique, Audio-Téléphonisme
und Episoscopie (Histoire De Camion) gut hörbar und spannungsbetont
zugleich. Vielleicht eine Beat-orientierte Alternative zu Alec Empires
Low On Ice für Arktisfahrer? homepage
(RH)
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V.A.
- 2002 Agassi-im-Weltraum (köln-indie
s.a.m.p.l.e.r.)
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Nicht
immer hält der Inhalt, was die Verpackung verspricht. Was verspricht
jedoch eine Verpackung mit Covermotiv agassiwal träumt im FDP-weltall
sowie ein dilettantisch zusammengeschnipseltes Booklet mit psychopathisch
dreinblickenden Männern und Kettensägen-Amazone? Der Inhalt
ist ein entsprechend diffuser Kosmos von Word-Art, Dada-Lyrik, Pop, Samples
und Soundcollagen, angetrieben durch Breakbeats und acid-elektro. Die
Titel sind beeinflusst durch Kraftwerk, Neue Deutsche Welle und Atari-Sound,
man fühlt sich zurück gebeamt in die achtziger Jahre.
Besonders hervorzuheben ist Aski Elber, deren Werke präzise Alltagsbeobachtungen mit hintergründigem Witz verbinden. Aber auch Harald Sack Ziegler, der groteske Refrains wie: Barbie, i will make you sweat mit Akkordeon vorträgt. Erlaubt ist, was Spaß macht: Gerald Geheim intoniert: Ich hasse so gerne, sogar den Mond und die Sterne.... Ja, so was brauchen wir! Rotzfreche, verwirrende Texte, die einen nicht kalt lassen und konsequent anarchisch verpackt sind. Trotzdem geht es nicht nur um Quatsch und Blödelei, die Künstler setzen sich auch mit kontroversen Themen wie Alkohol -und Drogenmissbrauch oder Tierjagden auseinander. Wer aber political correctness oder bedeutungsschwangeres Songwriting erwartet, wird hemmungslos enttäuscht. So wird man die CD entweder lieben oder hassen - der Inhalt hält jedenfalls, was die Verpackung verspricht: 2002: Agassi im Weltraum. (DK) |
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V.A.
The Vaults Of Sound Engineer Jeff Nieckau: Rough Beats From Peru &
Trinidad 72-76 (Crippled Dick Hot Wax /
EFA)
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Ja,
es gab sie mal. Die Visionäre mit Mission. In einer Zeit als der
Begriff Aussteiger noch nicht mit dauerbekifften Exildeutschen
auf Mallorca, die ihren Segen im Strohhalm- und Eimerverkauf für
diverse blöde Trinkspiele finden, verbunden wurde.
Jeff aka Gerhard Nieckau, damals seines Zeichens Toningenieur, mag aus musikalischer Sichtweise dabei herausstechen. Für das Crippled-Label hat er seine Schatzkammern geöffnet und zum Vorschein kommen diverse Leckereien. Die vorliegende aktuelle Compilation darf gerne die Aussage der vor Kraft nur so strotzenden Bossa 70Nummer Get Out Of My Way (You Ugly Face) allen Ethno-Pop-Platten und einfach strukturierten Weltmusik-Samplern entgegenschreien! Denn das deutsche Pendant zu David Byrne (um Nieckau ein wenig verdienten Honig ums Maul zu schmieren) hat gleichsam die Gründerväter verschiedener karibischer Musikstile vors Mikrofon gebeten: Nüchtern-kritische, zeitlose street poetry von Lancelot Layne in seinem Rapso Yo Tink It Sorf? oder Endless Vibrations von Garfield Blackman aka Lord Shorty, der mit dieser Soca-Nummer, einer uptempo Variante des traditionellen Calypsorhythmus, Bewegung ins Tanzbein zaubert. Dass die Formel Musik für Bauch, Bein und Kopf erneut aufgeht, beweist auch der Jazzpianist und Architekt Clive Zanda Alexander mit seinem herrlich-frischen Chip Down. Erwähnenswert sind neben den Coverversionen von Bossa 70, Barimbao und Think, die Instrumentals der Gay Flamingoes Steelband. Für jeden Steeldrum-Connoisseur ein absolutes Muss. Viel Neues gutes Altes gibts zu entdecken... Rare grooves and kinky beats. Stay with it! (JB) |
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WILT
- Amidst a Spacious Fabric
(Ad Noiseam/Ant-Zen)
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Zu
dem Instrument Zither fallen einem spontan nicht sehr viele Dinge ein:
volkstümliche Musik, bayerische Subkultur und Fernsehsendungen mit
mehr als zweifelhaftem Unterhaltungswert sind wohl die naheliegendsten
Assoziationen. Das urtümliche Instrument mit Dark Ambient in Verbindung
zu bringen, scheint hingegen gänzlich abwegig. Daß dem nicht
so ist, beweist James Keeler alias WILT mit seinem dritten Album, denn
alle auf "Amidst A Spacious Fabric" verwendeten Sounds entstammten
ursprünglich den Saiten einer Zither. Elektronisch meist bis zur
Unkenntlichkeit verfremdet, arrangiert Keeler die Sounds jedoch zu etwas,
was von deren volkstümlichen Ursprung kaum weiter entfernt sein könnte:
Dunkel oszillierende Flächen, Drones, Echos, Soundfragmente und Zitherpartikel
entstehen, flackern kurz auf und verschwinden durch Wände aus dicht
verwobenen Baßfrequenzen. Trotz der so geschaffenen bedrohlichen
Atmosphäre verliert sich der Sound nie in reiner elektronischer Kälte,
sondern bewahrt sich stets etwas Organisches, eine dauerhaft präsente
akustische Restwärme. Obwohl die Soundästhetik, die Keeler auf
seinem Album entwirft, den Vergleich mit Lustmord oder Megaptera nahelegt,
ist "Amidst A Spacious Fabric" nicht zuletzt aufgrund der außergewöhnlichen
Klangquelle ein bemerkenswert eigenständiges und innovatives Album.
Von schöpferischen Pausen scheint WILT indes nichts zu halten, denn
neben einer Kollaboration mit Tarmvred kann sich der geneigte Hörer
in den nächsten Monaten auch noch auf diverse Compilation-Beiträge
des Amerikaners freuen. (FS) 12 Punkte
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